...Nach § 1967 BGB erbt der Erbe nicht nur das Vermögen des Erblassers, sondern auch dessen Schulden. Oftmals weiß der Erbe aber nicht, wie hoch diese Nachlassverbindlichkeiten tatsächlich sind. Aus Angst vor einer möglichen Haftung schlagen viele Erben die Erbschaft innerhalb der gesetzlichen Sechswochenfrist des § 1944 BGB aus, obwohl im Nachlass vielleicht Vermögenswerte sind, die die Schulden gedeckt hätten.

Viele Erben wissen nicht, dass eine Ausschlagung der Erbschaft gar nicht nötig ist. Stattdessen kann man einfach beim Nachlassgericht Nachlassverwaltung gemäß § 1981 BGB beantragen. Dann wird ein Nachlassverwalter eingesetzt, der sich um die Abwicklung des Nachlasses kümmert. Der Erbe haftet für die Nachlassverbindlichkeiten dann nur noch mit dem Nachlass, nicht mit seinem Eigenvermögen (§ 1975 BGB). Sind die Nachlassverbindlichkeiten vom Nachlassverwalter berichtigt worden, wird eventuell verbleibendes Nachlassvermögen an den Erben ausgeschüttet.

Weiterführende Literatur: Wiester in: Scherer (Hrsg.), Münchener Anwaltshandbuch Erbrecht, C.H. Beck, 2. Aufl. 2006, § 24

Rechtsanwalt Dr. Roland Wiester steht zu weitergehenden Fragen gerne zu Ihrer Verfügung.