...welche Probleme bei der Benutzung einer Limited auftreten können?

Die neuere Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) hat die Niederlassungsfreiheit entscheidend beflügelt. So muss einer Gesellschaft, die in einem anderen europäischen Mitgliedsstaat nach dortigem Recht gegründet wurde, auch die ausschließliche Geschäftstätigkeit in Deutschland unter Anerkennung der ausländischen Rechtsform erlaubt werden.
Für die Praxis bedeutet dies, dass ein deutscher Unternehmer ausländische Rechtsformen nutzen kann, um in Deutschland sein Unternehmen zu betreiben. Die Gesellschaft wird dazu üblicherweise im Ausland gegründet, wo auch der offizielle Hauptsitz der Gesellschaft dauerhaft verbleibt. In Deutschland, wo faktisch die gesamte Geschäfts- und Verwaltungstätigkeit stattfindet, wird nur eine Zweigniederlassung oder Betriebsstätte eingetragen.

Besonders im Gespräch ist hierbei die Limited nach englischem Recht (private limited company). Diverse Vertriebsgesellschaften bewerben diese Rechtsform in Zeitungen, Prospekten und im Internet als die angeblich ideale Rechtsform-Alternative zur deutschen GmbH. Versprochen wird oftmals eine günstige und unkomplizierte Gründung, eine effektive Haftungsbeschränkung sowie steuerliche Vorteile. Dem deutschen Unternehmensgründer werden für die Gründung der Limited zumeist Pauschalpakete angeboten, durch die er in die Lage versetzt werden soll, mit wenig Zeit- und Kostenaufwand seine Geschäftstätigkeit zu beginnen. Die Gründung einer englischen Limited wird z.B. in Zeitungsanzeigen schon ab einer Pauschale von ca. € 250,- angeboten.

Bevor der Unternehmer sich auf die Nutzung einer Limited einlässt, sollte er genau prüfen, ob diese Rechtsform-Alternative für ihn tatsächlich geeignet ist.
Auch wenn die Unternehmensgründung auf diesem Wege scheinbar viele Vorteile bietet, sollte der Betroffene jedoch insbesondere auch folgende Aspekte in seine Überlegungen einbeziehen:

Zunächst ist zur Aufnahme der Geschäftstätigkeit in Deutschland zwingend die Eintragung der Zweigniederlassung im deutschen Handelsregister, ggf. eine Anmeldung im Gewerberegister sowie die Beantragung einer Umsatzsteuernummer bei dem zuständigen Finanzamt erforderlich. Falls dies unterlassen wird, können persönliche Haftungsprobleme entstehen bzw. behördliche Zwangsgelder verhängt werden. Bereits die Anmeldung beim deutschen Handelsregister kann außerdem erhebliche Kosten verursachen, z.B. Übersetzungskosten für einzureichende Unterlagen und Erklärungen.

Zusätzliche Kosten, die bei einer deutschen GmbH nicht anfallen, entstehen außerdem durch die zwingend notwendige Einsetzung eines englischen Secretarys bzw. der Unterhaltung eines registered offices in England. Selbst wenn der Secretary faktisch nicht in Anspruch genommen wird bzw. das registered office nur als eine Art Briefkastenfirma existiert, fallen hierfür nach heutigen Erkenntnissen jährliche Kosten i.H.v. mindestens € 800,- an.

Oftmals wird insbesondere der Umstand unterschätzt, dass für sämtliche die Gesellschaft in ihrer inneren Verfassung betreffenden Angelegenheiten englisches Recht zur Anwendung kommt. Wenn z.B. die Pflichten und Befugnisse mehrerer Gesellschafter in der Satzung geregelt werden sollen, muss hierfür englischer Rechtsrat eingeholt werden. Ein deutscher Rechtsanwalt kann hierüber jedoch nur selten sachkundig beraten, da sich seine Kenntnisse in erster Linie auf das deutsche Recht beziehen.
Der Unternehmer muss sich in derartigen Fragen also an einen Spezialisten für englisches Recht in Deutschland oder einen in England ansässigen Rechtsanwalt wenden. In beiden Fällen werden deutlich höhere Beratungskosten anfallen, als bei einer Beratung zum GmbH-Recht durch einen ortsansässigen Rechtsanwalt.

Ebenso müssen sämtliche in diesem Zusammenhang auftretenden Rechtsstreitigkeiten grundsätzlich vor einem englischen Gericht nach englischem Recht ausgetragen werden. Wenn z.B. ein Gesellschafter durch eigene Kündigung ausscheidet, ein Gesellschafter gekündigt werden oder die Gesellschaft aufgelöst werden soll, entstehen erfahrungsgemäß immer wieder Konflikte, die eine gerichtliche Auseinandersetzung nach sich ziehen.

Besondere Relevanz werden derartige Probleme auch bei einem Erbfall auf Seiten eines Gesellschafters entfalten. Bereits die Frage, wie dem englischen Register die Erbschaft bzw. der Übergang der Gesellschafterrechte auf den Erben nachzuweisen ist, wird kaum ein deutscher Rechtsberater kompetent beantworten können.

Ähnliche Probleme ergeben sich in Bezug auf die Rechnungslegung bzw. die Bilanzierung der Gesellschaft. Nach dem auch insofern anwendbaren englischen Recht muss jede Limited z.B. spätestens 22 Monate nach ihrer Gründung und danach jährlich einen handelsrechtlichen Jahresabschluss gemäß UK-GAAP beim englischen Register einreichen. Einen solchen Jahresabschluss nach englischem Recht wird der deutsche Steuerberater regelmäßig nicht erstellen können, so dass ebenfalls ein teurer Spezialist oder englischer Fachmann hinzugezogen werden muss. Zusätzlich muss für Steuerzwecke eine Bilanz gemäß deutschem Steuerrecht erstellt werden.

Als Vorteil der englischen Limited wird immer wieder genannt, dass die Begrenzung der persönlichen Haftung des Gesellschafters nach englischem Recht wesentlich einfacher und kostengünstiger zu erreichen sei. Wichtige Einschränkungen werden dabei jedoch verschwiegen.
So ist es zwar zutreffend, dass zur Gründung einer englischen Limited ist im Gegensatz zur deutschen GmbH kein Stammkapital (bei der GmbH derzeit mindestens € 25.000,-) erforderlich ist.
Allerdings müssen auch nach dem englischen Recht verschiedene Vorschriften zur Kapitalerhaltung bzw. zum Gläubigerschutz eingehalten werden. In verschiedener Hinsicht wie z.B. bei den Publizitätspflichten sind die Anforderungen des englischen Rechts sogar bedeutend schärfer als bei einer deutschen GmbH.
Werden die Kapitalerhaltungsvorschriften nicht eingehalten, kann es nach englischem Recht sogar zur vollständigen Löschung der Gesellschaft von Amts wegen kommen. Das Vermögen der Gesellschaft fällt in diesem Fall an die Krone.

Auch im englischen Recht existieren außerdem diverse Haftungstatbestände zugunsten der Gläubiger. Wenn der Geschäftsführer gegen einschlägige Rechtsgrundsätze oder Gesetze verstößt und dadurch die Gläubiger der Gesellschaft schädigt, kann er auch im Falle der Limited mit seinem gesamten Privatvermögen zur Haftung herangezogen werden (z.B. Grundsätze des wrongful trading oder fraudulent trading).

Da die Gesellschaft hinsichtlich der hiesigen Geschäftstätigkeit dem deutschen Steuerrecht bzw. dem deutschen Sozialversicherungsrecht unterliegt, kommen trotz der Nutzung einer englischen Rechtsform die entsprechenden Haftungsregelungen zur Anwendung. Hinsichtlich der persönlichen Haftung des Geschäftsführers für Steuern und Sozialversicherungsbeiträge bietet die Limited daher keinerlei Vorteile.

Zumindest wenn die Limited ihre Geschäfte ausschließlich in Deutschland betreibt bzw. in England überhaupt nicht wirtschaftlich in Erscheinung tritt, sind auch legale steuerliche Vorteile dieser Rechtsform nicht ersichtlich.

Schließlich wird die Nutzung einer Limited auch die Bonitätseinschätzung bei Banken oder (potentiellen) Geschäftspartnern nicht verbessern. Wenn schon eine deutsche GmbH in der Praxis regelmäßig nicht als kreditwürdig eingestuft wird, dürfte dies in gesteigertem Maße für eine Limited gelten. Ohne zusätzliche persönliche Sicherheiten der Gesellschafter, wird es kaum möglich sein, für die Geschäftstätigkeit einer Limited Fremdkapital zu erhalten.

Im Ergebnis muss wohl festgestellt werden, dass die Rechtsform der englischen Limited in den wenigsten Fällen für den Betrieb eines kleineren Unternehmens in Deutschland geeignet ist. Gerade wenn eine längerfristige Geschäftstätigkeit, die Einbringung relevanter Vermögenswerte in die Gesellschaft oder die Beteiligung mehrerer Gesellschafter geplant ist, sollten die Risiken dieser Rechtsform bedacht werden.
Zwar erscheint die Gründung bzw. der Erwerb einer Limited gerade im Vergleich zur deutschen GmbH kostengünstig, einfach und schnell. Längerfristig werden sich diese anfänglichen Vorteile jedoch in den wenigsten Fällen auszahlen.
Insbesondere wenn die aktuell diskutierten Änderungen und Vereinfachungen im deutschen GmbH-Recht in den nächsten Jahren umgesetzt werden, sollte der deutsche Kleinunternehmer auf die riskante Alternative der Limited verzichten.

Rechtsanwalt Tobias Gieding und Rechtsanwalt Dr. Roland Wiester stehen zu weitergehenden Fragen gerne zu Ihrer Verfügung.